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Meine letzten Tage in Berlin

Hier bin ich geboren, dann zwar großenteils in einem Dorf am Stadtrand aufgewachsen, doch tief in mir steckt ein Großstadtmensch. Was macht man, wenn man eine fassettenreiche, unglaublich interessante und schöne Stadt immer direkt vor der Nase hatte und sich ganz plötzlich langfristig verabschieden muss? In Berlin gibt es so viel zu erleben, da sind keine Grenzen gesetzt.

Bevor ich aus Italien zurückkam, habe ich mir ausgemalt, was ich alles noch erledigen würde. Dinge, die ich bisher gemacht habe und noch einmal erleben möchte, bevor ich nicht mehr die Möglichkeit dazu habe oder auch einiges, das ich immer schon machen wollte, aber immer wieder nach hinten verschoben habe. Poetry Slams besuchen, nochmal an einem teilnehmen, auf den Flohmarkt im Mauerpark gehen, dort auch mal etwas verkaufen und dann beim Karaoke mitmachen. Von all diesen Plänen bin ich nur einem nachgegangen und bin zum tausendsten Mal auf den Flohmarkt im Mauerpark gegangen.

Das heißt ja nicht, dass ich aus meinen letzten Tagen in Berlin nicht das Beste rausgeholt habe. Ich habe mich mit Freunden getroffen, neue Leute kennengelernt, tagelang nur auf Englisch gesprochen, Nächte durchgemacht, Gitarre gespielt und dazu laut und schief gesungen. Verabschiedungen sind echt nicht mein Ding und auch von dieser Großstadt, die mir so viel beigebracht hat, möchte ich mich nicht so feierlich verabschieden. Zwar weiß ich noch nicht wann, doch ich komme ganz bestimmt wieder und erledige bei Gelegenheit all die Dinge, die ich schon immer mal in Berlin machen wollte.

Die Frage, die ich mir die ganze Zeit gestellt habe, war: Wie verabschiede ich mich nun von meinen Freunden und meiner Familie? Ich wollte nicht, dass man plötzlich gezwungenermaßen wochenlang aufeinander hockt nur weil ich in Kürze abreisen würde. Um die letzten Tage sinnvoll zu nutzen, kann man dennoch neue Erinnerungen durch Unternehmungen erstellen. Zum Beispiel bin ich mit meiner kleinen Schwester zum „Stars for free“ Konzert gegangen, welches mich wirklich sehr positiv überrascht hat und sowohl mich, als auch meine Schwester, sehr berührt hat.

Mit meiner besten Freundin habe ich genau das unternommen, was wir immer machen: wir gehen picknicken am Feldrand (wie richtige Dorfkinder). Meine Abreise hat sich dann irgendwie wie ein Traum angefühlt, einfach sehr unwirklich. Meine Oma und Mama habe ich bereits an der Bahn verabschiedet und Charly ist noch bis zum Bus mitgekommen. Vor dem Bus haben wir dann beide erst richtig realisiert, dass ich dort einsteigen würde und meine lange Reise beginnen würde. Vorher hatte ich noch ein wenig Angst, meine Gitarre nicht mitnehmen zu können, doch es ist zum Glück alles bestens verlaufen.

Der Abschied war schmerzvoll, denn ich hätte meine beste Freundin am liebsten mit auf meine Reise genommen, doch ihr steht erst noch ein sehr wichtiges Schuljahr bevor, genauso wie meiner kleinen Schwester, die jetzt bereits in die zehnte Klasse kommen wir. Das Leben geht weiter, ob ich dort bin oder nicht und das ist manchmal ziemlich beängstigend, weil man nie weiß, wie viel passiert, bis ich wieder physisch anwesend bin.

Über solche Sachen sollte man sich nicht zu sehr reinsteigern, denn ändern kann man es dann auch nicht und wenn es notwendig ist, dann ist die Entfernung auch nicht so groß, als dass man sie nicht irgendwie überwinden könnte. Was jedoch momentan wirklich für mich zählt, ist die Gegenwart, denn meine Reise hat bereits begonnen. Eigentlich könnte man sagen, dass ich schon mittendrin bin. Für mich fühlt es sich gerade noch, wie eine kurze Reise oder ein Urlaub an. Je nachdem wie man es sieht, kann man es als einen sehr langen Urlaub bezeichnen, auch wenn ich nicht die ganze Zeit nur entspannen werde.

Am Dienstag werde ich von Nijmegen nach Rotterdam reisen. Was ich in den fünf Tagen in Nijmegen erlebt haben werde und was genau ich in Rotterdam vorhabe, werde ich in meinem nächsten Beitrag berichten.

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