Zum Inhalt springen

Ich bin (nur) 18.

Irgendwo zwischen Abitur und Studium. Zwischen Kind und Erwachsen. Das beschreibt meinen momentanen Zustand ungefähr, denn ich befinde mich nicht auf einer sicheren Ebene, sondern greife praktisch nach der nächsten Leitersprosse. Die Abiturprüfungen sind bestanden, doch trotzdem gibt es gerade sehr viel in meinem Leben, das ich in Frage stelle. Freundschaften, Gewohnheiten, vor allem aber mich selbst. In meinem Kopf herrscht momentan ein enormes Chaos und zugegebenermaßen verunsichert mich diese ganze Situation gerade auch. Ich nehme mich selbst nicht hunderprozentig ernst, irgendwo muss man einfach zu sich selbst stehen und darf sich nicht kleiner machen, als man eigentlich ist.

Im Gespräch mit anderen, mir vielleicht auch noch recht unbekannten, Menschen wirke ich meistens selbstbewusst, doch immer wieder fallen mir Verhaltensweisen auf, die ich bisher nicht vermeiden konnte. ,,Ich bin ja erst 18.“ ,,Du musst wissen, dass ich noch sehr jung bin und es deshalb nicht weiß.“ sind Sätze, die ich oft ungefragt ins Gespräch einbaue. Etwas, das ich tue um mich selbst klein zu machen? ,,Du musst mich nicht ernst nehmen.“ vermittle ich meinem Gesprächspartner unterschwellig. Vor ein paar Wochen wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht nötig ist, dies zu unterstreichen, denn es wurde nicht danach gefragt und dass ich jung bin, ist offensichtlich. In den entsprechenden Situationen war es jedoch absolut unwichtig, wie alt ich nun genau bin.

Fakt ist, dass ich ernst genommen werde, mein Alter für andere unwichtig ist, doch das offensichtlich genau das Gegenteil für mich. Worüber ich viel nachgedacht habe ist, dass ich in der Vergangenheit oft überschätzt wurde, da ich durch meine Größe und meinen Charakter älter wirke, als ich eigentlich bin.

Einerseits mache ich andere auf mein Alter aufmerksam, doch andererseits stört es mich manchmal unheimlich Sätze wie ,,Du bist erst 18.“ oder ,,Andere 18 Jährige machen das nicht.“ zu hören. Gerade wenn es in meiner Familie momentan viel um mein Auslandsjahr geht, werde ich oft daran erinnert. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass es nichts wirklich Positives zu meiner inneren Verwirrtheit beiträgt. Auf der einen Seite soll ich mich selbst ernster nehmen und nicht über die Zahl nachdenken, die mir sagt, wie viele Jahre ich nun schon auf diesem Planeten existiere. Auf der anderen Seite darf ich die Zahl nicht vergessen und sollte sie bei Entscheidungen sogar darüber bestimmen lassen, ob ich der Situation gewachsen bin?!

Je nachdem welches Alter eine Person bereits erreicht hat, schreibt man ihr unterschiedliche Erfahrungen zu, die sie in ihrem Leben bereits gesammelt an. Man nimmt an, dass eine Person, die 30 Jahre alt ist, fremde Situationen besser meistern könnte, als eine Person, die 18 Jahre alt ist. Ohne dabei an bestimmte Beispiele zu denken, würde ich dem durchaus zustimmen. Eigentlich kann man solche Fakten doch gar nicht am Alter festlegen, denn ich kenne Personen, die mit 16 Jahren schon viel mehr durchgemacht haben, als andere in ihrem ganzen Leben. Warum klammert man sich denn so an dieser Zahl fest?

Ich sehe ein, dass ich bestimmten Situationen wirklich noch nicht gewachsen bin, aber das liegt nicht daran, dass ich 18 Jahre alt bin, sondern daran, dass ich dafür einfach noch nicht bereit bin, weil jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für mich gekommen ist und ich zu unsicher bin. Ein gutes Beispiel ist der Führerschein. Seit ich meinen 18. Geburtstag gefeiert habe, werde ich oft gefragt, wann ich denn mit meinem Führerschein fertig sei. Dieses Jahr werde ich ihn nicht mehr anfangen und wahrscheinlich auch nicht nächstes Jahr, weil ich mich nicht zum Fahren bereit fühle. Mir ist durchaus bewusst, dass ich einen Führerschein im Beruf irgendwann brauchen werde und das behalte ich im Hinterkopf. Meine kleine Schwester wird im August 15 Jahre alt und hat vor ein paar Monaten ihren Mopedführerschein angefangen, weil sie es kaum erwarten kann die Straßen unsicher zu machen.

Bedeutet das jetzt, dass meine kleine Schwester reifer ist, als ich? Bin ich denn normal für mein Alter? Jede/r kann doch ganz individuelle Entscheidungen für sich selbst treffen. Situationen, denen ich mich gewachsen fühle, könnten für andere in meinem Alter, jünger oder auch älter eine Überforderung bedeuten. Nachvollziehbar sind Dinge, wie Alkohol und sonstiger Konsum, der eine Alterseinschränkung hat, doch auch an dieser Stelle ist nicht gesagt, dass jemand mit mehr Lebenserfahrung seinen Konsum besser einschätzen kann und weiß, wann Schluss ist.

Das Alter ist eigentlich nur eine Zahl, durch die wir uns selbst im Kopf Druck aufbauen, was eigentlich unnötig ist, denn jede/r hat ganz andere und eigene Erfahrungen im Leben gesammelt, die man keinem festen Alter zuschreiben kann.

So viel zu meiner Meinung. Was denkst du darüber?
Hinterlasse mir doch einen Kommentar!

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Kommentar verfassen