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Die drei großen A…

In den letzten Wochen sind eine ganze Menge an wichtigen Ereignissen auf mich zu gekommen. Angefangen hat alles mit meinem Abiball, gefolgt von der Abschlussfahrt in Kroatien und dem Naeherrücken meines Auslandsjahres. Diese Ereignisse waren gefüllt mit wundervollen Momenten, die ich nie vergessen möchte.

Am 1. Juli fand mein langersehnter Abiball statt, vor dem ich mich gelegentlich etwas gefürchtet, doch im Großen und Ganzen sehr viel mehr gefreut habe. Meine italienische Familie kam einen Tag vorher in Berlin an und ich fuhr zum Flughafen, um sie zu empfangen. 24 Stunden vor unserem großen Tag trafen sich (fast) alle Abiturienten, um gemeinsam den Abschlusstanz zum letzten Mal zu üben. Die Generalprobe konnte (zumindest mit meinem Tanzpartner) schlimmer nicht sein, doch die letzte Probe musste auch schief gehen, besser lief dann im Endeffekt das Finale. Der Tag war in meinen Augen nahezu perfekt! Meine Familie saß an einem runden Tisch beisammen, was mir zuvor etwas Bauchschmerzen bereitete, letztendlich haben sich doch alle gut verstanden.

Bei der Zeugnisausgabe ist mir erst richtig bewusst geworden, dass die Schulzeit nun komplett vorbei ist. Wir haben es geschafft! Mir fiel ein sehr großer Stein vom Herzen, was mich vieles plötzlich sehr viel klarer sehen lassen hat. Vor allem was meine Zukunft betrifft, denn ich habe so viele Möglichkeiten und werde einen der Wege für mich auswählen, mich gelegentlich auch mal verirren, aber irgendwann ans Ziel gelangen. In Städten, wie zum Beispiel Berlin, habe ich mich schon das eine oder andere Mal verlaufen, doch bin dadurch oft auf neue interessante Orte gestoßen, die ich sonst übersehen hätte. So ist es doch auch im Leben, denn auf dem Weg zu einem bestimmten Ziel kann es passieren, dass man Entscheidungen trifft, die den Lauf der Dinge verändern, durch die sich möglicherweise auch das ursprünglich angestrebte Ziel verschiebt.

Meine Familie stand mir bei den bisherigen Entscheidungen immer an der Seite, vor allem mein Vater hat mich immer beraten und ich habe durchaus seinen Rat gesucht. Was mein Auslandsjahr anging, wollte ich eine Entscheidung treffen, die mich durch und durch zufrieden stellt. Dafür musste ich verstehen, was ich von meinem Auslandsaufenthalt erwarte. Dem Rat meiner Familie bin ich an dieser Stelle eher ausgewichen, um mich nicht beeinflussen zu lassen. Im Nachhinein ist mir bewusst geworden, dass ich keine Entscheidung treffen würde, die nicht zumindest mein Vater nur zu einem klitzekleinen Anteil gut heißt. In meinem Kopf herrscht jede Menge Chaos, denn genauso eine Entscheidung hätte ich gerne getroffen. Nur weil ich etwas, das ich eigentlich wirklich machen wollte jetzt nicht klappt, heißt das nicht, dass ich nicht auch in nicht allzu ferner Zukunft noch meinen Traum realisieren könnte.

Das Problem oder wohl eher mein Problem war, dass ich mich auf meine Idee komplett fixiert habe und keine Alternative fand. Für mich gab es einfach keine, zumindest nicht in meinem Kopf. An dem Punkt, an dem ich meinen Abiball hinter mir hatte und mir meine Freiheit zum Greifen nah war, konnte ich einige andere interessante Möglichkeiten in Erwägung ziehen. Ich hatte plötzlich eine neutrale Sicht auf die Dinge und begann Listen zu erstellen, um mir ein genaues Bild von meinen Vorstellungen zu machen. Ganz oben standen Flexibilität und Spontanität, was mir zunächst klar machte, dass ich Europa wahrscheinlich nicht verlassen würde, denn innerhalb Europas gibt es viele Möglichkeiten ganz spontan von Land zu Land zu reisen, wie zum Beispiel mit dem Bus oder dem Zug. Bisher bin ich in Europa auch schon recht viel herum gekommen, was bedeutet, dass mir meine Umgebung nicht komplett fremd sein wird und ich mich dadurch ein Stück sicherer fühle. In dem Auslandsjahr möchte ich verstehen, was ich danach studieren werde, weshalb ich das als gute Möglichkeit sehe, um Städte zu besuchen, in denen ich studieren könnte. Ein weiterer Punkt, der mir zunächst Angst machte und eher gegen Europa sprach, waren die vielen unterschiedlichen Sprachen. Ich spreche vier Sprachen, woraus ich wahrscheinlich schon einige Vorteile ziehe, dennoch macht es mir Angst in ein Land zu reisen, dessen Sprache ich nicht spreche, andererseits reizt es mich mittlerweile ziemlich. Die Sprache kann ich immerhin noch lernen und mich anfangs auf Englisch durchkämpfen.

Meine Gedankengänge nahmen an dieser Stelle noch kein Ende, doch meine Entscheidung fiel letztendlich tatsächlich auf Europa, was einen Teil meiner Familie endlich wieder schlafen ließ. Es ist nicht leicht Entscheidungen auszusprechen, denn wenn man sie mit anderen Menschen teilt, bedeutet das zumindest für mich, dass ich es nun durchziehen werde. Eigentlich ist das Schwachsinn, denn gerade an dieser Stelle wären voreilige Entscheidungen sehr schlecht gewesen und ich bin froh, dass es jetzt so ist, wie es sich ergeben hat. Ich beginne mein Auslandsjahr in den Niederlanden, suche mir einen Job, was wahrscheinlich einfacher klingt, als es dann wird, und ich möchte Niederländisch lernen. Mein Traum wäre es mehr als vier Sprachen zu sprechen, dann ist jetzt wohl der richtige Zeitpunkt, um damit anzufangen oder nicht?

So gesehen habe ich meine Europareise bereits begonnen, denn in den letzten Monaten war ich in Italien, anschließend in Frankreich und letzte Woche in Kroatien. Anfangs war ich skeptisch, ob es die richtige Entscheidung war auf Abschlussfahrt mitzufahren, da ich mich von meinen Mitschülerin teilweise sehr distanziert habe. Auch an dieser Stelle brauchte ich mir bereits an der Bushaltestelle keine Gedanken mehr zu machen, denn das Wiedersehen meiner Freunde machte mich unglaublich glücklich. Wir scherzten herum, planten schon ein paar Dinge für die Woche und teilten unsere Vorfreude miteinander. Die Reise konnte beginnen!

Wie es oft auf Klassenfahrten passierte, habe ich auch dieses Mal teilweise mit einigen Leuten aus meinem Jahrgang sehr viel mehr als sonst gesprochen. Es war unsere Abschlussfahrt, weshalb unsere Schulzeit bereits abgeschlossen war und wir nun irgendwo zwischen Abitur und unserer Zukunft stecken. Zu wissen, was die anderen jetzt machen werden, ist sehr interessant zu hören, doch andererseits nervt es mich zum Teil selbst immer wieder danach gefragt zu werden. Was auf unserer letzten „Klassenfahrt“ zählten, waren die letzten schönen gemeinsamen Momente, die Erinnerungen, die uns noch sehr lange verbinden werden und der Abschied, der extrem wichtig war, um mit der Schulzeit abzuschließen. Der Abiball und die Abschlussfahrt haben mir erst richtig bewusst gemacht, dass es nun wirklich geschafft ist.

In den letzten Monaten habe ich extrem viel nachgedacht, auch über Freunde, Familie und Heimat. Durchaus gab es einige Momente in denen ich mich sehr einsam gefühlt habe, obwohl ich es nicht war. Menschen, die mir nah stehen, habe ich zum Teil von mir gestoßen, da ich einfach mal das Bedürfnis hatte mich zu distanzieren und aus meinem gewohnten Alltag zu lösen. In dieser Form, wie es den Alltag in der Schulzeit gab, wird er nicht existieren, zum Glück! Auf der Abschlussfahrt herrschte eine ganz andere Atmosphäre auch im Freundeskreis, denn plötzlich sprachen wir nicht mehr über Schulnoten, Lehrer oder anderen Schulkram, sondern über Dinge, die uns momentan beschäftigen. Sorgen, Wünsche, Ängste und einfach alles, was uns in den Kopf kam, immerhin waren wir nicht einfach so befreundet. Ich hatte das Gefühl, meinen Freunden näher, als jemals zuvor, zu sein.

Trotzdem werden wir nun jeder unseren eigenen Weg gehen und mit etwas Glück uns an irgendeinem Punkt in unserem Leben wieder treffen.

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