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Nichts für die Ewigkeit

Mir fällt es überhaupt nicht schwer neue Leute kennenzulernen und mich an deren Gesellschaft zu gewöhnen, doch der Abschied tut mir immer wieder sehr weh. Manchmal trifft man „Seelenverwandte“ auf Reisen oder Veranstaltungen, erlebt unvergessliche Momente, doch sieht sich danach möglicherweise nie wieder.

Gerade in Berlin sind viele Touristen, Erasmusstudierende oder Leute, wie ich, die nur noch für einen gewissen Zeitraum dort leben. Dadurch ist ein Ende für Freundschaften und Bekanntschaften schon in Sicht, was ihnen nicht die Intensität nehmen muss. Ganz im Gegenteil, kann ich aus eigener Erfahrung von  Freundschaften zu Studenten, die nur für ein oder zwei Semester in Berlin geblieben sind, erzählen, dass wir eine kurze, dennoch sehr verbundene Freundschaft geführt haben.

In meiner jetzigen Situation: Alles steht noch offen, tun mir Reisende oder Reisebegeisterte sehr gut. Woher könnte man sich sonst bessere Inspiration (und Ermutigung) holen? So spricht man unter Reise- und Kulturbegeisterten über zukünftige Projekte, Träume und sogar über Zweifel und Ängste, wodurch man sehr viel übereinander erfährt.

Gesprächsstoff gibt es immer genügend, denn es ist unheimlich interessant sich über Kulturen auszutauschen und kulturelle Unterschiede, die man bemerkt hat, wenn man in dem entsprechenden Land war. Ich finde es besonders faszinierend, wenn Menschen sich an Gesprächsinhalte erinnern und daran anknüpfen. Gemeinsame Erkenntnisse werden immer wieder erweitert, neu strukturiert, wenn nicht sogar komplett erneuert. Man lernt voneinander und was ich immer wieder erfahren habe: Man wird weltoffener!

,,In vier Tagen muss ich zurück nach Hause.“ sind Worte, die mich am Wochenende für ein paar Augenblicke sprachlos gemacht haben, was nicht besonders leicht ist. Mein Herz hat sich plötzlich ganz schön schwer und traurig angefühlt, weil ich das erste Mal realisiert habe, dass eine Person, die ich mittlerweile zu meinen besten Freunden zählen würde, nur noch einige Tage in unmittelbarer Nähe sein würde. Wir haben uns dann geschworen, dass wir uns wiedersehen würden, was sich in dem Moment eigentlich nur auf die nächsten Tage bezog, bevor es dann „nach Hause“ geht.

Innerhalb von wenigen Monaten haben wir eine sehr schöne Freundschaft entwickelt, die mit vielen Emotionen verbunden war und auch damit einander zu helfen. Manchmal auch dumme Aktionen oder zumindest versuche davon, wie beispielsweise bis 3 Uhr morgens aufzubleiben, eine Stunde schlafen zu wollen, um dann in irgendeinen Club zu gehen. Trotzdem wir’s nie geschafft haben, können wir uns mit Bauchschmerzen vor Lachen an solche Tage erinnern.

Andere, die nicht dabei waren, können diese Erinnerungen logischerweise nicht auf die gleiche Art und Weise nachvollziehen, weshalb es noch viel schwieriger ist, sich von Personen zu trennen. In meinem Kopf bleiben all diese Erinnerungen, doch es kommen keine neuen Erlebnisse dazu, das zumindest anfangs, denn man weiß nie. Vielleicht treffen wir uns irgendwann, irgendwo, vielleicht nicht in Berlin, sondern in Bali oder wer weiß, wo es uns noch hinbringen wird.

Abschiednehmen tut mir immer fast so sehr weh, wie Liebeskummer. Doch das wird ein Gefühl sein, das ich in Zukunft, so wie ich sie mir vorstelle, noch häufiger erfahren werde und es wird ganz bestimmt nicht leichter, doch das ist in Ordnung.

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