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,,Wenn ich die Poeten da vorne stehen sah und den Texten folgte, bewunderte ich diese unheimlich.“

Vor einigen Jahren habe ich ein Buch gelesen, in dem sogenannte Poetry Slams erwähnt wurden. Es waren auch geschriebene Texte der Romanfiguren enthalten, welche mich sehr fasziniert haben. Schon in der Grundschule mochte ich bestimmte Gedichte ganz gerne und konnte mir diese schnell merken. Ich habe mich auch gerne mal am Schreiben versucht, doch die Ergebnisse waren für mich immer recht ernüchternd. Durch dieses Buch entdeckte ich diese moderne Gedichtsform, welche ich beim Schreiben ausprobierte. Als das Thema Poetry Slam irgendwann im Deutschunterricht mal angesprochen wurde, versuchte ich erneut einen Text zustande zu bekommen, doch war mit dem Ergebnis noch immer nicht zufrieden.

Des öfteren besuchte ich Berliner Poetry Slams, wie zum Beispiel den Tube Slam. Wenn ich die Poeten da vorne stehen sah und den Texten folgte, bewunderte ich diese unheimlich. Für all die Kreativität, die Wortgewandtheit und den Mut, welchen man braucht, um sich da vorne hinzustellen. Dass ich dort irgendwann mal stehen würde, habe ich nie in Erwägung gezogen, da ich es mir einfach nicht zugetraut habe. Um da vorne zu stehen, musste ich erstmal einen Text haben und diese Bedingung war bis dato nicht erfüllt. Zumindest gab es keinen meiner Texte, den ich hätte präsentieren wollen. Trotzdem ich keine zufriedenstellenden Texte ausformulieren konnte, gab ich das Schreiben nie auf.

Wie sich das Blatt gewendet hat?
Ich war an dem Tag ziemlich deprimiert, da die Schule in der 11. Klasse sehr viel anstrengender, als in den vorherigen Klassen, war. Mir blieb neben dem Unterricht, Hausaufgaben und Nachhilfe nur wenig Zeit für mich, um meine Hobbys richtig pflegen zu können. Das konnte doch nicht alles sein. Also schrieb ich einen Text über all das und ich war ziemlich stolz. ,,Das ist mein Text!“ konnte ich sagen und ich hatte Lust ihn vorzustellen. Somit stand für mich fest, dass ich auftreten würde und ich nahm zwei Freundinnen zur Unterstützung mit.
Das schrieb ich nach meinem ersten Auftritt:

Mit zitternder Stimme und schlotternden Beinen stand ich nun auf dieser Bühne und versuchte mir meine Nervosität nicht anmerken zu lassen. (Man hat es mir trotzdem angemerkt.) So hat es sich letzten Samstag an gefühlt als ich beim 41. Tubeslam hautnah mit dabei war. Dieses Mal nicht nur als Zuschauer!
Meine Begeisterung für Poetry Slams habe ich bereits versucht in Worte zu fassen. Im besten Fall vervielfacht sich diese Begeisterung, wenn man selbst das Gefühl erlebt hat. Das Gefühl sich wochen- oder tagelang einen Text zu überlegen und ihn so weit zu bringen, dass man ihn mit Stolz auf die Bühne bringen kann und sie mit mindestens genauso viel Stolz wieder verlässt.
Mir genügte schon das Gefühl, einen Text selbst verfasst zu haben, der sogar etwa 5 Minuten betrug. Schließlich kratzte ich mein gesamtes Selbstbewusstsein zusammen, überwand meine Vortragsangst und ließ mich vor Ort auf die offene Liste setzen. Im Endeffekt lief es sogar besser als erwartet.

 

 

Zu meinem Pech war ich die letzte Poetin des Abends, trotz Aufregung konnte ich die anderen Texte dennoch genießen. Auch dieser Poetry Slam war sehr abwechslungsreich an traurigen, eher nachdenklichen und witzigen Texten. Der featuring Poet Marvin Ruppert ist mir sehr stark in Erinnerung geblieben. Ich kann dir nur empfehlen seinen Namen mal bei Youtube einzugeben und einige seiner Texte anzuhören.
An diesem Abend habe ich eine wundervolle Erfahrung gesammelt. Das wird hoffentlich nicht der letzte Poetry Slam gewesen sein, bei dem ich aufgetreten bin. Zu dem war das auch nicht der Letzte von dem ich berichtet habe!

In dem damaligen Beitrag habe ich meine Hoffnung ausgesprochen, dass dieser erste auch nicht mein letzter Auftritt gewesen sei und das stimmte auch. Vor drei Monaten bin ich beim Bernauer Slam in meiner Schule aufgetreten und habe den dritten Platz von neun Teilnehmern belegt, weshalb ich nicht nur einen, sondern gleich zwei Texte vorgetragen habe. Dieser Auftritt lief um einiges besser, als der erste, denn ich habe in den vergangenen Jahren um einiges an Selbstbewusstsein gewonnen und die Texte lagen mir noch viel mehr am Herzen. Zuvor bin ich ohne große Erwartungen herangegangen, da der Wettkampfaspekt nie besonders stark in den Vordergrund gestellt wird. Dennoch habe ich mit einem dritten Platz absolut nicht gerechnet und war sehr stolz auf mich selbst. Stolz auf sich selbst kann man durchaus auch mal sein!

Seitdem habe ich leider keinen kompletten Text mehr geschrieben, da mir ein Thema fehlte beziehungsweise eine Idee, um dieses richtig umzusetzen. Manchmal passiert es mir, dass ich eine konkrete Vorstellung von einem Text habe und den am Stück zu Ende schreibe. In meinen Texten verarbeite ich größtenteils eigene Erlebnisse, weshalb das Präsentieren eines so persönlichen Textes nicht so einfach ist. Andererseits gehört das meiner Meinung nach zur Kunst dazu. Gefühle zeigen, ausdrücken, eigene Erlebnisse mit anderen Menschen teilen, die sich möglicherweise damit identifizieren können. Mir ist es des Öfteren auf Poetry Slams passiert, dass ich Texte gehört habe, die wie aus meinem Leben gegriffen schienen. Größtenteils habe ich mich danach wesentlich besser gefühlt, da ich wusste, dass ich mit der angesprochenen Problematik, den Gefühlen oder Gedanken nicht alleine bin. Dieses Gefühl nicht alleine zu sein, ist auch ein Grund, warum ich es so liebe zu Poetry Slams zu gehen und zuzuhören. Im Alltag führe ich viel zu oft den verhassten Smalltalk, auch wenn man sich in dieser Zeit über viel bedeutsamere Dinge unterhalten könnte. Durch das Präsentieren von Texten erfährt man unglaublich viel von fremden Personen, doch auf eine codierte Art. Oft werden in den Texten, Inhalte mithilfe von Metaphern verschlüsselt. Wodurch diese dann nicht eindeutig sind und der Zuhörer selbst noch weiteres rein interpretieren kann. Auf diese Weise entsteht ein völlig unterschiedliches Verständnis. Natürlich können Personen, die mir nah stehen dazwischen unterscheiden, was genau in meinen Texten gemeint ist, welche Inhalte der Wahrheit entsprechen und welche nicht.

Mir sind solche Erfahrungen von Auftritten immer wichtig, um mich selbst in solche Situationen zu bringen, die ich vor einigen Jahren eher gemieden hätte. Ich trainiere es meine Vortragsangst nach und nach abzulegen, da es gerade im Berufsleben wichtig werden könnte. Dazu gehören Niederlagen, aber auch Erfolge und von beidem sollte man sich nicht zu viel Unsicherheit oder auch Sicherheit aneignen. Schließlich sollten Auftritte niemals zu mechanisch, sondern eher authentisch und menschlich wirken. Nervosität ist absolut in Ordnung, was man sich auch immer wieder vor Augen führen sollte.
Wie bereits geschrieben, habe ich in den vergangenen Jahren stark an Selbstbewusstsein gewonnen und bin mittlerweile ziemlich zufrieden damit. Klar, ich ecke an einigen Stellen trotzdem mit mir an, doch diese Probleme versuche ich für den Moment des Auftritts zur Seite zu legen, um den Moment auf der Bühne zu genießen. Meine Sorgen, dass der Auftritt schief gehen könnte, kann ich ignorieren, schließlich sind diese Auftritte freiwillig und meine Existenz hängt nicht davon ab. Ich nehme das ernst, dennoch sollte man sich nicht zu ernst nehmen, sonst wird das ganze nur verkrampft und ist zum Scheitern verurteilt.

Vielleicht hast du dich jetzt die ganze Zeit gefragt: ,,Was genau ist ein Poetry Slam? Wie funktioniert das? Kann da jeder mitmachen?“ Diese Fragen kläre ich in einem meiner nächsten Beiträge.

Also bleib gespannt! 🙂

P.S.: Hier der Link zum Video meines Auftritts in Bernau: https://m.facebook.com

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