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Von Freundschaftsbändern und Staubfängern

Ich habe in einem meiner Blogbeiträge darüber geschrieben, wie ich zu Poetry Slams kam. Kurz gesagt: Es ist ein Dichterwettstreit, bei dem jeder die Möglichkeit hat selbst verfasste Texte vorzutragen. Diese Poetry Slams werden zunächst jedoch keine besonders große Rolle spielen, denn was eigentlich immer im Vordergrund steht, ist der Text. Dieser kann jegliche Form haben, denn Regelungen zu der Reimform, Verslänge oder ähnlichem gibt es nicht.

Einer meiner Texte hatte den gleichen Titel, wie auch dieser Beitrag. Das hatte auch einen bestimmten Grund, denn der Text handelt von einer Freundschaft, die sozusagen „eingestaubt“ ist. Anders als bei Liebesbeziehungen beendet man Freundschaften nicht mit einem: ,,Ich habe keine Gefühle mehr für dich.“ oder ,,Das mit uns passt einfach nicht mehr..“. Zumindest ist das in meiner Erfahrung nie vorgekommen, auch wenn es die beste Variante wäre. Ehrlichkeit.

Ehrlichkeit ist meiner Meinung nach eine der besten Eigenschaften, die ein Mensch nur haben kann. Diese wirklich in die Tat umzusetzen ist nicht immer leicht, denn es kann durchaus sehr unangenehm sein. So auch Gespräche über eine Freundschaft, die einseitig oder auch beidseitig nicht mehr als eine wahrgenommen wird. Stattdessen geht man sich vielleicht einfach komplett aus dem Weg oder ignoriert Versuche der Kontaktaufnahme. Ist das denn wirklich die einfachste Lösung?

Ich stelle mir das eher, als eine Strategie vor, die, gemeinsam mit jeder Menge Schuldgefühlen und Zweifeln, einfach nur weh tut. Bisher war ich traurigerweise immer in der Lage der Ignorierten, weshalb ich die andere Position nur schwer nachvollziehen kann. Um ehrlich zu sein, möchte ich auch niemals in der entgegengesetzten Position zu sein, da ich dieses Verhalten nicht als richtig empfinde. Immerhin hat man einander mal gemocht und für die Eigenschaften, die der- oder diejenige besitzt, hat man sich auch geschätzt. Wie können also vielleicht sogar jahrelange Freundschaften einfach so in den Sand gesetzt werden? Freunde können sich doch voneinander entfernen, was an bestimmten Punkten einfach ganz normal ist. Dennoch würde es uns allen doch das Leben einfacher machen, wenn wir ehrlich zueinander sind.

Enttäuschung, Wut und Ungewissheit sind Gefühle, die ich persönlich noch immer empfinde, obwohl schon einige Zeit vergangen ist. Natürlich frage ich mich, ob ich selbst schuld trage und was ich falsch gemacht haben könnte. Einerseits hinterfrage ich mein eigenes Verhalten, andererseits das Verhalten der anderen Person, sowie die Freundschaft. Uber Vergangenes sollte man sich nicht zu sehr den Kopf zerbrechen, dennoch kann man aus den Fehlern in der Gegenwart lernen und es besser machen. Woher soll man wissen, was man falsch gemacht hat, wenn nicht darüber gesprochen wurde?

,,Man kann nicht nicht kommunizieren!“
Ein Satz der uns in der Schule im Deutsch- und Psychologieunterricht im Zusammenhang mit verschiedenen Modellen der Kommunikation eingetrichtert wurde. Diesen Satz sollte man sich wirklich langer auf der Zunge zergehen lassen, dass es ist tatsächlich mal etwas Alltagstauglisches in der Schule gelehrt worden. Egal, ob man etwas sagt oder auch nichts sagt, kommuniziert man. Was bedeutet, dass auch wenn du etwas unbeantwortet im Raum stehen lässt, teilst du deinem Kommunikationspartner etwas mit. Eine Tatsache, die man manchmal einfach nicht wahr haben will. Wie ich finde, tut es mehr weh jemanden im Unklaren zu lassen, als einfach mal alle Karten auf den Tisch zu legen und ehrlich zu sein. Reden tut so gut, auch wenn man sich für solch unangenehme Gespräche zuvor enorm motivieren muss. Im Nachhinein wirkt es für alle Beteiligten nur befreiend und man kann einander schneller verzeihen.

Aus diesem Grund sollte man im Leben immer die Möglichkeiten abwägen, denn alles hat seine Konsequenzen und nur man selbst kann entscheiden mit welchen man länger leben kann.

Dieses ist ein Thema, das mich sehr berührt, da ich in den vergangenen Jahren immer wieder realisiert habe, dass Ehrlichkeit immer der leichteste Weg ist, auch wenn es zunächst nicht so erscheint. Mir selbst musste ich des öfteren eingestehen, dass ich gerne dazu neige negatives zu vermeiden, da ich mich nicht damit auseinander setzen wollte. Solche Gedanken in gedichtähnliche Texte zu packen hilft mir die Dinge zu verarbeiten oder mit bereits Verarbeitetem abzuschließen. Leider ist es manchmal einfach so, dass Menschen, die mal wichtig erschienen, den Weg wählen, der leichter erscheint. Ehrlichkeit tut manchmal weh, doch der Schmerz bleibt meist nur für eine kurze Zeit. Dagegen bleiben Schuldgefühle für eine halbe Ewigkeit, was wieder von Person zu Person anders sein kann. Aus diesem Grund sollte man im Leben immer die Möglichkeiten abwägen, denn alles hat seine Konsequenzen und nur man selbst kann entscheiden mit welchen man länger leben kann.

 

Schweigen oder Ehrlichkeit? 

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