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Den Moment einfach mal NICHT im Foto festhalten!

In einer Zeit von Instagram, Facebook, Twitter und und und neigen so ziemlich alle Smartphonenutzer dazu, alles mögliche zu fotografieren. Sei es das Mittagessen, neu erworbene Kleidung oder einfache Selfies, weil man heute besonders gut, schlecht oder auch ganz normal aussieht. Eigentlich ist es egal zu welcher Tageszeit, Fotos werden tagtäglich bei jeder Gelegenheit gemacht, da man das Handy schnell zur Hand hat und diesen Moment festhalten muss, damit es dann später beim Erzählen authentischer wirkt. Besonders schöne Bilder werden dann auf den sozialen Netzwerken geteilt, damit alle Welt sie sehen kann. Ich mache es selber, da es irgendwo auch ein gutes Gefühl ist, wenn man viel positives Feedback bekommt.

Nur sollte man immer genauer überlegen, ob und wann es wirklich angebracht ist mal ein Foto zu machen. Kaum jemand würde auf die Idee kommen beispielsweise auf einer Beerdigung ein Bild von den trauernden Menschen zu machen, dann auf Instagram hochzuladen und noch einen pseudotiefgründigen Spruch mit passenden Smileys drunter zu setzen. Diese Momente der Trauer sind zu intim, um sie mit aller Öffentlichkeit zu teilen. Wenn nicht in diesen besonders traurigen Momenten, warum dann in glücklichen?

,,Lass uns mal ein schönes Foto machen!“ ist ein Satz bei dem meine beste Freundin und ich anfangen müssten zu lachen, dann aber auch nicht mehr aufhören könnten. Warum? Kein Foto könnte die Momente, die wir zusammen erleben festhalten. Zumal in dem Satz das Wort ,,schön“ eine besondere Betonung bekommt und das schon nicht umsetzbar wäre. Wir beide sitzen nicht topgestylt in ihrem Bett und schauen dann breit grinsend mit perfekten weißen Zähnen in die Kamera. In unpassenden Momenten können Fotos einfach die ganze Stimmung zerstören, da man schließlich gut aussehen möchte und dann verkrampft. Gerade deshalb sind nicht gestellte Bilder unbezahlbar, da sie den Moment mit den wahren Emotionen darstellen können oder zumindest einen Teil davon.

Am Anfang des Jahres habe ich mir eine Spiegelreflexkamera zugelegt, da ich schon vor etwas längerer Zeit das Fotografieren für mich entdeckt habe und mich dann etwas intensiver damit auseinandersetzen wollte. Ich fotografierte einige Male meine Geschwister und auch Freunde. Das einfachste war es wohl besonders natürliche Bilder von meinem kleinen Bruder, der im Juli zwei Jahre alt wird, zu schießen. Schließlich kommt er nicht auf die Idee, eine bestimmte Pose für ein Foto einzunehmen. Auch meine kleine Schwester hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten gut gemacht, da sie zunächst verstehen musste, was genau ich von ihr sehen will. Eigentlich nicht bestimmtes, sondern einfach nur sie, wie sie sich bewegt, lebt und lacht.

Fotografieren ist etwas wirklich schönes und eine Kunst, die ich sehr lieben gelernt habe. Dennoch gibt es, wie bereits angesprochen, Momente, die einfach nur im Kopf und nicht in irgendeinem Gerät abgespeichert werden sollten. Auf diese ganze Thematik bin ich gekommen, da ich vor einigen Tagen eine ziemlich interessante Ausstellung in Berlin besucht habe. ,,The Haus“ ist ein gigantisches Kunstwerk im ehemaligen Berliner Volksbank-Gebaeude, welches bald abgerissen wird. Zuvor haben sich hunderte verschiedene Künstlerinnen und Künstler im gesamten Haus ausgetobt und die Räume mit Graffiti gestaltet. Das Ergebnis: Einfach atemberaubend!

Vor der Ausstellung muss man sein Handy in eine blickdichte Tüte packen, Kameras und anderes in der Tasche verstauen. Dort soll es auch bleiben! Irgendwo schade, aber andererseits muss man es einfach mit eigenen Augen gesehen haben und wenn man dort war, die Bilder mit dem Kopf und dem Herzen speichern und nie wieder vergessen. Der Eintritt ist kostenlos, was das ganze noch besser macht, aber Spenden sind dort immer willkommen.

Ich habe drei Stunden in dem Haus verbracht und jeder Raum hat mich auf eine andere Weise berührt. In gewisser Weise wurde ich auch dazu inspiriert wieder etwas darüber nachzudenken, wie alles auf den sozialen Netzwerken zu finden ist. Oft braucht man beispielsweise Ausstellungen gar nicht mehr zu besuchen, da man sie sich im Internet nahezu vollständig anschauen kann. In diesem Fall wird sehr stark darauf geachtet, die Inhalte zu schützen und damit auch die Künstler etwas mehr zu würdigen.

Es war wirklich sehr angenehm mal keine Menschen zu sehen, die für Bilder posieren und nicht aufpassen zu müssen in diese Fotos nicht hinein zu laufen. Die Zeit habe ich dort auch wortwörtlich aus den Augen verloren, da ich nur selten eine Armbanduhr an mir trage und somit mein Handy nutze, um die Uhrzeit zu erfahren. Ohne feste Termine ist so etwas auch mal schön, wenn man sich auch einfach nicht dazu verpflichtet fühlt auf die Uhr schauen zu müssen.

Hier noch der Link zur Webseite der Ausstellung: http://www.thehaus.de/

Geh vorbei, es lohnt sich wirklich! 😀

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